| Das Licht auf dem Meer | ![]() |
Eine kurze Geschichte der Feuerschiffe |
Was ist ein Feuerschiff ?
Feuerschiffe,
in früheren Zeiten auch Leuchtschiffe genannt, sind Schiffe, auf welchen
sich ein Leuchtfeuer befindet. Sie liegen in der Nähe von Sandbänken,
Untiefen und Felsen vor Anker, einige weit vor der Küste auf Positionen,
an welchen eigentlich ein Leuchtturm stehen müsste. Aus verschiedenen Gründen
war es aber meist nicht möglich an diesen Stellen ein festes Bauwerk zu
errichten. Im Laufe der maritimen Geschichte wurde das Feuerschiff, seine Form
betreffend, oft als der Schiffstyp mit der am wenigsten ansprechenden Form bezeichnet.
Das Feuerschiff hat es schwer, seine Identität zu behaupten, da es weder
Schiff noch Leuchtturm, sondern eine seltsame Mischung aus beiden ist.
Sein umfangreicher Rumpf ist vollgepackt mit Tanks, Maschinen und Technik, dem
kleinen Turm fehlt die Eleganz und Schönheit vieler Artgenossen auf dem
Festland - keine prächtig verzierten Treppen verleihen seinem Inneren Glanz,
keine kunstvollen, schmiedeeisernen Geländer schmücken die Galerie
um die Laterne. Die Zweckmässigkeit des Schiffes stand immer an erster
Stelle, es musste unter allen Umständen Sturm und schwerem Seegang standhalten
und seine Funktion erfüllen.
Feuerschiffe lagen oft auf Positionen, von denen sich andere Schiffe nach Möglichkeit
so weit wie möglich fernhielten. Ihre Aufgabe war es, als Navigationshilfe
die Sicherheit auf See zu gewährleisten. Fest verankert verblieben sie
einige Jahre auf ihrer Position, bis es Zeit für Reparaturen oder eine
Werftüberholung war.
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Die ersten Schiffe ihrer Art waren oft umgebaute, hölzerne Schiffe, deren Rumpf unter der Wasserlinie mit Kupferplatten beschlagen war um sie gegen Bohrwürmer zu schützen, und ihnen so eine längere Lebensdauer zu ermöglichen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man diese Schiffe auch aus Stahl zu bauen. |
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Feuerschiff "NORE" |
Der Anfang
Das Prinzip
eines Schiffes, welches ein Feuer am Mast zeigte, war nicht neu. Als Vorläufer
des Ankerlichtes war es zu Zeiten Julius Cäsars auf römischen Galeonen
gebräuchlich, bei Einsetzen der Dunkelheit einen Feuerkorb
an den Mast zu hängen, um so für andere Schiffe sichtbar zu sein und
Zusammenstöße zu vermeiden. Im Laufe der maritimen Geschichte wurde
die Einrichtung eines schwimmenden Feuers zuerst während der niederländisch-dänischen
Verhandlungen im Jahre 1649 vorgeschlagen. Die Niederländer ersuchten die
Dänen, bei der Insel Anholt ein solches Schiff auszulegen, doch wurde diesem
Wunsch nicht entsprochen. Dänemark traf allerdings andere Massnahmen, man
baute einen Leuchtturm auf Anholt und markierte das fragliche Fahrwasser zusätzlich
mit Tonnen.
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Im Jahre 1731 wurde zur Markierung der gefährlichen Sandbänke in der englischen Themsemündung das erste private Feuerschiff mit dem Namen »NORE« ausgelegt. Bei diesem Schiff handelte es sich um einen kleinen Frachtsegler, an dessen Mast sich ein Querbalken mit Feuerkörben an beiden Enden befand. Bei einbrechender Dunkelheit wurde dieses Doppelfeuer entzündet. Obwohl der Einsatz der »NORE« ein enormer Erfolg war, dauerte es noch fast 80 Jahre bis diese Idee den ersten Nachahmer fand. |
In trichterförmigen Flußmündungen, wo Treibsand und Schlick den denkbar schlechtesten Grund für den Bau fester Leuchtfeuer boten, waren Feuerschiffe die ideale Lösung. Auch weit vor der Küste, wo auf Riffen und Untiefen der Bau eines Leuchtturmes aus finanziellen Gründen fast unmöglich gewesen wäre, konnten Feuerschiffe verankert werden. Außerdem liessen sich durch geringe Positionswechsel der Feuerschiffe bequem die sich ständig ändernden Fahrrinnen im Bereich wandernder Sandbänke markieren.
Einige der ersten Feuerschiffe
1807 In der Eidermündung wurde ein umgebauter Lotsenkutter als erstes deutsches Feuerschiff ausgelegt.
1811 Am 16. November dieses Jahres wurde das erste irische Feuerschiff auf der Kish Bank in der Irischen See verankert. Es war ein umgebautes niederländisches Holzschiff mit Namen »VRONIA GESINA«, welches zu diesem Zweck mit drei Masten und drei Laternen versehen wurde.
1814 In diesem Jahr planten die Niederlande ihr erstes Feuerschiff. Dazu wurde das Kanonenboot Nr. 101 umgebaut und dann am Vlie unter dem Namen Feuerschiff »SCHUYTEZAND« auf der Position Zwaansbalg ausgelegt.
1821 Die Amerikaner stationierten zwei Feuerschiffe, die »WILLOUGHBY SPIT« in der Chesapeake Bay vor Virginia, und die »NORTHEAST PASS« im Mündungsdelta des Mississippi (Golf von Mexiko) vor dem Staat Mississippi.
1829 Im Juli dieses Jahres wurde das erste dänische Feuerschiff, die »LAESØ TRINDEL«, vor der Ostsee-Insel Laesø ausgelegt.
1845 Frankreichs erstes Feuerschiff markierte die Fahrrinne in die Gironde, den Mündungstrichter der Garonne.
1848 Belgien plazierte sein erstes Feuerschiff »PAARDENMARKT« an der Sandbank gleichen Namens.
1858 Das erste - für diesen Zweck gebaute - niederländische Feuerschiff wurde auf der Position »NOORDHINDER« ausgelegt. Das zweimastige Schiff hatte am grossen, vorderen Mast eine aufheissbare Laterne mit acht Parabolreflektoren und Argandlampen.
1863 Die Feuerschiffe »MARDYCK« und »RUYTINGEN« markierten seit diesem Jahr die Sandbänke vor der französischen Kanalküste zwischen Calais und Dunkerque.
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Feuerschiff - Laterne mit Argand´schen Lampen vor Parabolspiegeln |
Die niederländischen Feuerschiffe
Im Jahr
1814 legten die Niederlande ihr erstes Feuerschiff, die »SCHUYTEZAND«,
auf der Position Zwaansbalg aus. Es war ein umgebautes Kanonenboot, welches
zu diesem Zweck mit einer Laterne versehen wurde. Vermutlich wurde es bis ins
Jahr 1824 benutzt. Das erste niederländische Schiff, welches speziell als
Feuerschiff erbaut wurde, befand sich ab dem 16. August 1858 auf der Position
»NOORDHINDER«. Sein Feuer bestand aus acht Argandlampen mit parabolischen
Reflektoren. Es folgte die Einrichtung weiterer Stationen, so im Jahr 1881 die
Positionen »TERSCHELLINGERBANK« und »SCHOUWENBANK«,
desweiteren 1890 »HAAKS« und 1891 »MAAS«.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besassen die Niederlande sechs Feuerschiffe,
von welchen sich fünf ständig auf Station befanden. Ein Schiff diente
als Reserve, um im Falle des Ausfalls eines der anderen Schiffe auf dessen Position
ausgelegt zu werden. Für die Zeit von 1917 bis 1924 wurden auch niederländische
Feuerschiffe auf den Positionen »DOGGERSBANK NOORD« und »DOGGERSBANK
ZUID« eingesetzt. Die Station »MAAS« wurde 1930 aufgegeben,
ihr folgte - aus wirtschaftlichen Gründen - im Jahr 1934 die Station »SCHOUWENBANK«.
Im Verlauf des 2. Weltkrieges (1940) wurden die drei verbliebenen Stationen
ebenso eingestellt. Während des Einbringens des Feuerschiffes »TERSCHELLINGERBANK«
verschwand die gesamte Mannschaft. Die Seeleute setzen sich an Bord anderer
Schiffe teils nach England und auf´s niederländische Festland ab.
Nach dem Krieg wurden, auf den inzwischen von Minen befreiten Schiffahrtsrouten,
die Schiffe neu ausgelegt. Als erstes, im Februar 1946, das Feuerschiff der
Station »GOEREE«, gefolgt durch »TEXEL« im März
1947, und »TERSCHELLINGERBANK« im Dezember 1948. Als letzte Station
bekam »NOORDHINDER« im Januar 1954 sein Feuer zurück.
Nach dem Krieg wurden noch drei neue Feuerschiffe gebaut, die Nummern 10, 11
und 12. Das erste dieser neuen Schiffe nahm 1952 seinen Dienst auf, das zweite
folgte 1953. Beide wurden auf der »Rijkswerf Willemsoord« in Den
Helder gebaut. Das letzte in den Niederlanden gebaute Feuerschiff lief 1963
bei der Werft »De Waal« in Zaltbommel vom Stapel. Zwar war die Zahl
jetzt wieder auf 6 Schiffe angewachsen, aber das Ende dieser Seezeichen war
schon in greifbare Nähe gerückt. Im Jahr 1965 wurde zuerst die Nr.
7 ausgemustert und verkauft. Sie wurde 1911 gebaut und diente zuletzt als Reserve-Feuerschiff.
Am 14. Dezember 1971, mit Indienstnahme der Leuchtplattform »GOEREE«,
wurde das nächste Feuerschiff überflüssig, es war die im Jahre
1923 gebaute Nr. 8. Das dritte Schiff, die Nr. 9 von der Station »TERSCHELLINGERBANK«,
folgte ihr nur wenig später im Jahr 1979. Die drei verbliebenen Schiffe
wurden zwischen 1976 und 1982 automatisiert, wonach sie ohne Besatzung abwechselnd
auf den beiden letzten Stationen »NOORDHINDER« und »TEXEL«
ausgelegt wurden.
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Feuerschiff
No.8 auf Position MAAS
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Feuerschiff
No.11 TEXEL gestrandet
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Als am 1. Oktober 1991 in der Nordsee ein schwerer Sturm tobte, vertrieb das Feuerschiff Nr.11 von der Station »TEXEL«, nachdem seine Ankerkette gebrochen war. Nach mehreren mißglückten Versuchen per Hubschrauber Personal auf dem treibenden Schiff abzusetzen, strandete es am frühen Morgen des 2. Oktober auf dem Deich bei Petten, der Hondsbosschen Zeeweering. Bergungsunternehmen sahen keine Chance mehr, dass inzwischen stark beschädigte Schiff freizuschleppen, und so wurde beschlossen, an Ort und Stelle abzuwracken. Während der ersten Wochen dieser Aktion war der Deich bei Petten ein beliebtes Ausflugsziel. Die Stiftung »Nautische Monumenten« aus Den Helder erwarb den Feuerturm des Schiffes, und jetzt steht er wieder an seinem Geburtsort, auf der Reijkswerf Willemsoord. Die Funktionen der gestrandeten »TEXEL« werden jetzt von einer Grosstonne erfüllt. Die beiden letzten niederländischen Feuerschiffe teilten sich anschliessend die Station »NOORDHINDER«, wobei eines immer als Reserve bereitlag.
Kennung / Charakter
Vom navigatorischen und technischen Standpunkt war ein fester Leuchtturm einem
Feuerschiff immer vorzuziehen, da das Schiff an seiner langen Ankerkette durch
Wind, Wellen, Gezeiten und Strömung ständig in Bewegung war. Aus diesem
Grund konnte das Feuer niemals einzelne Sektoren kennzeichnen, sondern musste
ständig nach allen Richtungen hin sichtbar sein. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts
waren fast alle Leuchttürme und Feuerschiffe mit einem festen Licht ausgerüstet.
Um eine deutlichere Unterscheidung zwischen einzelnen Seezeichen zu sichern,
wurden daher an Land einige Stationen mit zwei bis drei Türmen dicht beieinander
gebaut, oder Feuerschiffe mit mehreren Laternen ausgerüstet.
Als bedingt durch den technischen Fortschritt verbesserte Leucht-Apparaturen
möglich wurden, bekamen alle Leuchttürme und Feuerschiffe jeweils
ihren eigenen Charakter. Durch rotierende optische Apparate (Reflektoren oder
Optiken), konnte jetzt jedes Seezeichen seine eigene Kennung in die Nacht blinken.
Nach einem bis mehreren Blitzen oder Blinken folgte immer eine Dunkelpause,
nach welcher sich diese Kennung wiederholte.
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Laterne Feuerschiff No.8 | ![]() |
Paraboloptik |
Die ersten
niederländischen Feuerschiffe hatten um einen stabilen Mast mittschiffs
eine Laterne, welche bei einbrechender Dunkelheit geheisst wurde. So konnte
durch die Plazierung des Lichtes hoch über der Meeresoberfläche eine
grössere Sichtweite erzielt werden. Die Lichtquellen bestanden anfangs
aus Parabolreflektoren mit Argand´schen Lampen, welche mit Öl betrieben
wurden. Später, als diese Lampenkränze drehbar wurden und einzelne
Blinke aussandten, konnte man durch Zufügen oder Wegnehmen einiger Lampen
unterschiedliche Kennungen erzielen. Dadurch war es bei Einsatz des Schiffes
auf einer anderen Position (z.B. als Reserve-Feuerschiff) meist möglich,
die Kennung den Angaben im Leuchtfeuer-Verzeichnis für die jeweilige Station
anzupassen.
Neben dem Feuermast hatten die Schiffe meist auch ein bis zwei gewöhnliche
Masten. Diese wurden benötigt, um Tagessichtzeichen, Sturmwarnungen und
später auch Antennen anzubringen. Da bei Nacht das Licht jedem Seemann
eindeutig zeigen konnte, um welches Feuerschiff es sich handelte, musste das
Schiff auch während des Tages eine klare Kennung zeigen. Dazu befand sich
meist am Mast über der Laterne ein festes Tagessichtzeichen in Form eines
Balles, eines Kegels, oder in anderer geometrischer Form. Es waren auch weitere
Kennungen üblich, z.B. die Farbe - fast immer Rot, und auf beiden Seiten
des Rumpfes der Name der Station in grossen Lettern.
Im Laufe der technischen Verbesserungen der Lichtquellen wurde das Öllicht
zuerst durch Gasglühlicht, und später durch elektrische Lampen ersetzt.
Für diese musste der Strom durch Dieselgeneratoren an Bord erzeugt werden.
Bei niederländischen Feuerschiffen waren das die einzigen Maschinen, da
sie, mit einer Ausnahme, keine eigene Fahrmaschine besassen und zu ihren Stationen
geschleppt werden mussten. In früheren Zeiten beherbergte ein Teil des
Schiffsraumes nicht nur Wasser- und Brennstofftanks, sondern auch Kohlenbunker.
Nach Umstellung auf elektrischen Betrieb wurde dieser Raum für Generatoren
zur Stromerzeugung und Kompressoren für die, mit Pressluft betriebenen,
Nebelhörner benötigt. Diese ersetzten frühere Nebelsignale wie
Gongs, Glocken, Gewehr- oder Kanonenschüsse. Aber nicht nur mit Licht,
Tagessichtzeichen und Nebelsignalen konnten die Feuerschiffe den Seeleuten die
Navigation erleichtern. Man benutzte vor Einführung der Radionavigation
auch Unterwasser-Glocken und Flaggenzeichen, später bekamen die Schiffe
dann Radiopeilsender, Funkfeuer und auch Radar.
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Ein Feuerschiff der Serie No.3-6 auf Position MAAS |
Antriebsmaschinen
Bei orkanartigen Stürmen und schwerer See kam es mehrmals vor, dass die
stabile Ankerkette eines Feuerschiffes brach. Dadurch geriet das Schiff ins
Treiben, mit großer Gefahr für Schiff und Besatzung. Falls abgefeuerte
Notsignale nicht rechtzeitig gesichtet und Hilfe geschickt wurde, waren sie
hilflos dem Schicksal ausgeliefert. Deutsche und belgische Feuerschiffe waren
dagegen mit eigenen Antriebsmaschinen ausgerüstet. Das hatte den Vorteil,
dass die Schiffe nach einem Kettenbruch durch eigene Kraft wieder zu ihrer Station
zurückkehren, oder aber einen sicheren Hafen ansteuern konnten. In Notsituationen
konnte man so bei Gefahr selbst eingreifen ohne auf fremde Hilfe angewiesen
zu sein.
Im Jahr 1936 versank in der Elbmündung das deutsche Feuerschiff »ELBE
1« während eines Orkans mit Mann und Maus. Daraufhin erwog man auch
in den Niederlanden, die Feuerschiffe mit Antriebsmaschinen auszurüsten,
um so bei schlechtem Wetter die enormen Zugkräfte auf die Ankerkette mindern
zu können. Auch um bei Kettenbruch entweder die Position zu halten - oder
aus eigener Kraft einen Schutzhafen anlaufen zu können. Allerdings wurde
lediglich das Feuerschiff »MAAS« mit eigenem Antrieb versehen. Wegen
der hohen Kosten wurde bei allen anderen niederländischen Feuerschiffen
darauf verzichtet. Zwar verfügten die Schiffe über kleine Segel, aber
diese dienten hauptsächlich als Stützsegel um Schlingerbewegungen
zu unterdrücken.
Besatzung
Die allerersten - in Flussmündungen ausgelegten - Feuerschiffe hatten noch
keine Besatzung. Ein Feuerwärter wurde bezahlt um bei Sonnenuntergang zum
Schiff zu rudern und das Licht zu entzünden, und ebenso bei Sonnenaufgang
wieder zu löschen. Erst später, als Feuerschiffe auf Seestationen
ausgelegt wurden, kam auch eine Besatzung an Bord. Die Arbeit auf diesen Schiffen
war kein Abenteuer, aber ein bewundernswerter Beruf - eine Mischung aus Leuchtturmwärter
und Seemann. In den Niederlanden bestand die Besatzung aus 7 bis 13 Männern,
abhängig von der Grösse des Schiffes. Das Leben an Bord war meist
eintönig, mit abwechselndem Einsatz bei Wachdienst, Instandhaltungsarbeiten
und Haushaltspflichten.
Jahrelang fungierten Feuerschiffe auch als Lotsen-Anforderungsstation, wobei
die Verständigung mittels Licht(morse)zeichen oder mit Signalflaggen erfolgte.
Zum Zweck der guten Beherrschung dieser Fähigkeiten wurden häufig
Übungen mit den Besatzungen vorbeifahrender Schiffe abgehalten. Mit Marineschiffen
wurden regelmässig Informationen ausgetauscht. Später meldete man
auch zu festgesetzten Zeiten Wetterbeobachtungen für das KNMI (das Königliche
Niederländische Meteorologische Institut) über Funk an die Küstenwache.
Alle diese Meldungen wurden zusätzlich in einem monatlichen Bericht zusammengefasst.
Neben ihren üblichen Aufgaben mussten die Besatzungen auch einmal an wissenschaftlichen
Versuchen teilnehmen. Am 28. Dezember 1923 wurde durch die Niederländische
Fischerei-Versuchsanstalt in Utrecht beim Generalinspekteur des Lotsendienstes
die Anfrage eingereicht, ob die Möglichkeit bestehe, Feuerschiffbesatzungen
nach genauen Anweisungen Versuche mit Fischnetzen unternehmen zu lassen. Dem
Ersuchen wurde stattgegeben und auf den Feuerschiffen wurde für einige
Zeit "wissenschaftlich" gefischt.
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Optik des Feuerschiff TEXEL No.10 |
Freizeitbeschäftigungen waren ein wichtiger Bestandteil des Bordlebens, da der Besatzung genug Freizeit zur Verfügung stand. Nach der Wache von 2 mal 4 Stunden innerhalb eines Etmals (24 Stunden) wurde einige Zeit mit Instandhaltungsarbeiten verbracht. Neben der verdienten Ruhe wurde die verbleibende Zeit meist mit (nautischen) Bastelarbeiten gefüllt. Beliebteste Beschäftigungen waren Schnitzen, Knüpfen, Mattenflechten, Holzarbeiten und Buddelschiffe bauen. Daneben wurde natürlich auch oft geangelt. Vor der Einführung von Kühlschrank und Tiefkühltruhe konnten frische Lebensmittel nicht lange aufbewahrt werden. Deshalb war gekochter oder gebackener Fisch eine willkommene Abwechselung auf der Speisekarte. Das Essen wurde schrecklich eintönig, wenn der wöchentliche Besuch des Versorgungsschiffes durch schlechtes Wetter verhindert wurde. Dann war man auf den Schiffszwieback der Notrationen angewiesen. Bei dem - normalerweise - wöchentlichen Besuch des Versorgungsschiffes gab´s frische Lebensmittel, Diesel, Wasser, Post, sowie Zeitungen und Zeitschriften. Und wenn man wieder einmal seine Dienstwochen an Bord hinter sich hatte, brachte das Schiff auch die Ablösungs-Mannschaft.
Der Aufenthalt
an Bord war in früheren Zeiten nicht unbedingt angenehm. Der Besatzung
stand nur ein Gemeinschaftsraum zur Verfügung, in dem gewohnt, gekocht,
gegessen und geschlafen wurde. Geheizt wurde mit Kohleöfen. Wenn bei Sturm
die Wellen über das Deck spülten, konnte kaum gelüftet werden
und unter Deck wurde es stickig, feucht und ungemütlich. Gab es Verletzte
oder Kranke, die zum Festland gebracht werden mussten, wurde die Krankenflagge
geheisst. Auf dem Feuerschiff »MAAS« flatterte diese Flagge im Februar
1923 einen ganzen Tag lang um das Lotsenboot zu informieren, allerdings ohne
Ergebnis. Nach Einbrechen der Dunkelheit versuchte man die Aufmerksamkeit mit
Lichtsignalen auf sich zu lenken, was auch endlich gegen 22.30 Uhr gelang. Dem
Koch war die Kombüsentür vor den Fuss gekracht und inzwischen war
der heftig schmerzende Knöchel so stark angeschwollen, dass der arme Kerl
kaum noch laufen konnte. Zu dieser Zeit gab es leider noch keine Funkverbindung
mit den Feuerschiffen.
Die drei zuletzt gebauten niederländischen Feuerschiffe, zwei zu Beginn
der 50er Jahre und das letzte 1963, waren im Vergleich mit ihren Vorgängerinnen
sehr komfortabel, und - gemessen an ihrem Baudatum - mit der modernsten Technik
ausgestattet.
Grosse Gefahr für Besatzung und Schiff bestand bei dichtem Nebel, wobei
die Gefahr durch ein anderes Schiff gerammt zu werden am grössten war.
Während solcher Wetterlagen fuhren Schiffe häufig extrem dicht am
Feuerschiff vorbei. Das geschah allerdings nicht nur zu Zeiten schlechter Sicht,
auch andere Umstände, wie die Unaufmerksamkeit der gegnerischen
Mannschaft, führten oft zu solchen Beinahe-Zusammenstössen. Wenn der
Wachmann ein Schiff auf Kollisionskurs auf das Feuerschiff zukommen sah, versuchte
er zuerst mit Lichtsignalen, und dann per Funk die Mannschaft des näherkommenden
Schiffes zu warnen. Viele Male wäre es fast zu solchen Zusammenstössen
gekommen, aber glücklicherweise wurden niederländische Feuerschiffe
von ernsthaften Unfällen dieser Art verschont.
Früher mussten die Besatzungen immer acht Wochen an Bord bleiben, danach
verbrachten sie jeweils vier Wochen an Land. Allerdings war der Landaufenthalt
kein Urlaub, man wurde dort zu verschiedenen Arbeiten eingesetzt. In einem Rundschreiben
vom 29. März 1905 wurde angekündigt, das es für die Besatzungen
der Feuerschiffe eine Änderung im Dienstplan geben würde. Die Änderung
besagte, das nun nach nur vier Wochen Borddienst zwei Wochen an Land folgen
sollten. Im Zusammenhang mit der Verkleinerung der Feuerschiffs-Flotte wurde
später das Schema erneut geändert, nach nur zwei Wochen an Bord folgten
zwei Wochen an Land.
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| Feuerschiff TEXEL No.10 |
Das Ende
Am 21.
März 1994 wurde das letzte niederländische Feuerschiff von der Station
»NOORDHINDER« eingeholt und durch eine Grosstonne ersetzt. Damit
kam für uns das Ende einer rund 150-jährigen Tradition. Die moderne
Technik hat nun die Arbeit dieser Schiffe und ihrer Besatzungen übernommen.
Feuerschiffe nahmen in der maritimen Geschichte, betreffend ihrer Form und Funktion,
einen Sonderplatz ein. Ihr Rumpf war meist kurz und plump, aber äusserst
geeignet für das angestrebte Ergebnis - die Sicherheit auf See. Dieser
Wunsch nach Sicherheit ist sehr verständlich, da die niederländische
Küste, bedingt durch zahlreiche Untiefen und Sandbänke, für die
Schiffahrt äusserst gefährlich ist. Durch das Auslegen der Feuerschiffe
sind mit Sicherheit viele Schiffbrüche verhindert worden. Sie waren dem
Seemann gute Lotsen, die ihn durch dieses gefährliche Seegebiet sicher
leiteten.
Die beiden letzten Feuerschiffe sollen als Museums-Schiffe erhalten bleiben
und so ein Fundament für die interessante Geschichte der niederländischen
Küsten-Befeuerung bilden. Eines hat in Den Helder seinen endgültig
letzten Liegeplatz gefunden.
Mit Dank an: Herrn A. Boon, Herrn R. v. d. Veen, Frau L. v. d. Steen,
Übersetzung
durch Karl R. Spitzer
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